SpiRitualArt
Kunst ist eine elementare Ausdrucksform des Menschen. Sie entsteht im geistigen Raum, in der Sphäre der Inspiration ohne Form, Gestalt oder Klang.
Im künstlerischen Schaffensprozess gibt der Künstler seiner durch Inspiration erfahrenen Idee eine sinnlich erlebbare Form als Bild, Skulptur, Gedicht oder Musikstück. Der Künstler muss in seiner Disziplin ein guter „Handwerker“ sein, um seine Idee im Konkreten zu verwirklichen. Die Idee oder Vision erhält so einen „Körper“, der nun auch von anderen Menschen erfahren, betastet oder gehört werden kann. Dieses mit allen Sinnen erfahrbare Kunstwerk ist ein Medium der Kommunikation und Berührung von Mensch zu Mensch, von Seele zu Seele und Geist zu Geist.
Der Künstler erträumt die Wirklichkeit. Doch es liegt in seiner Verantwortung, was er träumt. So zeigen z. B. die Untersuchungen von Masaru Emoto an Wasser und Eiskristallen sehr eindrucksvoll, dass die Schwingungen von unterschiedlicher Musik konkrete Auswirkungen auf scheinbar „unbelebte Materie“ haben. Sie verändert deren Form und Gestalt und kann klare ausgestaltete Strukturen oder auch Deformation und Zerstörung hervorbringen. Wenn Musik die Struktur von Wassern verändern kann, welche Wirkung hat sie dann auf den menschlichen Körper, auf unsere Gefühle und unsere Seele?
Erträumen wir also in unseren Kunstwerken virtuelle, tote Räume, Machtfantasien, Isolation und intellektuelle Konstrukte? Oder lassen wir unseren Traum nach liebender Verbundenheit, tiefer Erkenntnis und Schönheit in unserem Kunstwerk Wirklichkeit werden?
Gelebte Spiritualität ist nicht trennbar von der Liebe zur Schöpfung. Wir sind verantwortlich für das Wohl alles Lebens, dessen Teil wir sind. Und so ist spirituelle Kunst ebenfalls von dieser Liebe durchdrungen. In ihr pulsiert der Geist des Lebens.
In vergangenen Jahrhunderten und vielen traditionellen Kulturen stellten die Künstler ihre Themen und Inhalte eher stereotyp dar. Das individuelle Ausdrucksbedürfnis wurde der überlieferten Form untergeordnet. Mittelalterliche Ikonen ähneln einander stark, auch wenn ihre Entstehung zeitlich und geografisch weit auseinander liegt. In der indischen Musik werden bestimmte Spieltechniken und musikalische Gestaltungsprinzipien über viele Generationen von Lehrer zu Schüler weiter gegeben und bestenfalls leicht verfeinert. Die eigene Interpretation oder gar die neue Komposition sind - gemessen an der Größe der Tradition - bedeutungslos.
In unserer heutigen westlichen Kultur ist das Streben des Individuums nach materiellem Wohlstand, nach Glück und Selbst-Verwirklichung das vielleicht größte Lebensziel. So ist der individuelle Ausdruck auch in der Kunst und Musik ein ganz wesentlicher Aspekt. Viele Künstler suchen nach einer eigenen Sprache, um unverwechselbar zu sein. Sie vergessen hierbei, dass eine wichtige Bedingung für Sprache deren Verständlichkeit ist. Sprache ist Allgemeingut, und eine Kunst, die zur Sprache eines Einzelnen wird, verliert die Wurzeln zur Vergangenheit und die Verbindung zu den Mitmenschen. Sie steht isoliert in der Welt.
Unsere Herausforderung auf dem Weg der spirituellen Kunst liegt in der Verbindung des alten Geistes, der traditionellen Wurzeln mit unserem modernen (individuellen) Menschenbild. So können wir immer mehr eins werden mit der Seelenbewegung die uns aus der Unendlichkeit heraus in diese Zeit, an diesen Ort und in dieses Leben brachte, um hier eine konkrete Aufgabe zu erfüllen.
Volker Staub