LehrerDie Vier-Lehrer-Kräfte der elementar-Kreise Spirituelle Lerndynamik im Kreis
Der überwiegende Teil spirituellen Lernens findet in Bewusstseinsräumen statt, die jenseits des Sprachlichen wirken. Es ist nicht so, dass einer das Wissen hat und die anderen es passiv aufnehmen. Weisheit wird nicht mit dem Löffel gegessen. Es handelt sich nicht um eine Klasse, der ein Lehrer vorsteht. Elementar-Kreise sind lebendig und entwickeln eine von mal zu mal sich verändernde Kraft. Sie sind mehr mit einem intelligenten Organismus als mit einer Organisation zu vergleichen.
In diesem Organismus wirken die Vier-Lehrer-Kräfte, auf die der individuelle und Kreislernprozeß der elementar-Kreise aufgebaut ist:
- Das Unvoreingenommene Selbst
- Die Spirits
- Der Kreis
- Der Personale Lehrer
Die Kraft kommt aus dem Zusammenwirken der Vier-Lehrer-Kräfte. Der Vergleich zu den Organen unseres Körpers liegt nahe. In ihrem Zusammenwirken sind die Organe und der gesamte Stoffwechsel stets bemüht, Gleichgewicht zum Wohl des Ganzen herzustellen und aufrechtzuerhalten. Damit kommt jeder Lehrer-Kraft eine einzigartige und unersetzliche Verantwortung zu. Da wirkt Wissen, Interesse und Anteilnahme von allen Seiten, in allen Qualitäten. Daraus ergibt sich auch, dass unser Weg nicht gekauft werden kann. Nur redliche Anteilnahme, ein verantwortungsbewusstes Handeln und die Bereitschaft, sich auf einen wachen, menschlichen Wachstumsprozess einzulassen, ermöglichen kreatives individuelles spirituelles Wachsen und tragfähige elementar-Kreise.
Diese vier Lehrer-Kräfte sind nicht von einander zu trennen. Unser Lernen geschieht und wirkt im Kreis, den man sich wie ein telepatisch und energetisch durchströmtes Feld vorstellen kann. Diese Vier-Lehrer-Dynamik wirkt in dem Maße, wie der Lehrer es versteht zu integrieren, zu führen und zu inspirieren. Je mehr und intensiver sich alle Beteiligten einlassen können, um so tiefer und heilsamer wird die Erfahrung für alle sein. Im achtsamen und aufrichtigen Zusammenspiel der Kräfte entwickelt sich lebendige Geistigkeit und befreites Lernen.
Diese Dynamik ist ähnlich einem organischen Wesen und bedarf der Achtsamkeit. Diese Art des Lehrens ist der Natur und dem Schöpfungsakt nachgebaut. Es erfordert ein neues systemisches Betrachten der Lehrer-Schüler-Dynamik. Alles ist mit allem verbunden und verwandt. In allem wirken Bewusstsein und Geist. So ist es auch bei all unseren elementar-Kreis-Treffen. Besonders deutlich wird uns das in der Schwitzhütte und auf dem Sommercamp offenbart. Respekt gegenüber der Natur, dem Wissen, der Kraft und dem Gestaltungsrecht des Individuums stärken die Gemeinschaft und den Lernprozess. Klare Ordnungen während der Zeremonien und im äußeren Ablauf sichern, dass uns die Energie nicht zerfließt und dass der Geist nicht durch äußere Kontroll- und Hab-Achtstellung beansprucht wird. Je weicher und ätherischer die Energie ist, um so fester muss das Gefäß sein, das ihn halten will.
Spirituelles Lernen zielt auf die verantwortliche Freiheit. Es ist ein Weg der Wandlung und des gegenseitigen Einlassens. Unser spiritueller Weg ist ein gemeinsamer Weg, sowie wir gemeinsam unsere irdische Erfahrung machen und nur gemeinsam die Probleme unserer Zeit lösen können. Diese Gemeinsamkeit will gelernt sein. Unsere Epoche bläht das Ego auf, trainiert das Ich. Wir lernen im Kreis zu sein, im Kreis zu denken, um das Verbundene, solidarische und Kollektive wieder zu stärken. Dabei geht es nicht um Auflösung des Individuums im Kreis, sondern um das gemeinsame Entstehen-Lassen des Kreiswesens, das mehr ist, als die Summe seiner Teile. Einheit entsteht durch Unterschiedlichkeit. Achtsamkeit, aufrichtiges Mitgefühl, Respekt gegenüber Anderen und Großzügigkeit wirken wie Heilmittel auf unserem Weg.
Die erste Lehrer-Kraft Das unvoreingenommene Selbst Das ist die persönlich wichtigste Kraft. Das ist das eigene Wissen und Gewissen. Die eigene Wahrnehmungs- und Beurteilungsfähigkeit. Unser unvoreingenommener, wacher und kritischer Geist. Hier liegt die Essenz des Verstehens. Strebsam und verantwortlich mit der eigenen Emotion und Intelligenz aus Versuch und Prüfung zu lernen und zu erkennen.
Unvoreingenommenheit meint, zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu riechen, zu schmecken und zu tasten, was ist. Das erfordert Mut zur Wahrnehmung; das braucht wohlwollende Bereitschaft zur Realität und dem Dasein, wie es sich uns zeigt. Und es erfordert, dass wir aufhören, uns selber immer wieder die gleichen Geschichten zu erzählen und anzuhören, die uns in unserem abergläubischen Wahn bestätigen, die Welt sei so – und nur so – wie wir denken, dass sie sei.
Es bedarf auch der menschlichen Intelligenz. Der Schwerpunkt liegt hier nicht auf Bildung, sondern auf Sinnerfassung. Es geht hier um den tieferen Sinn, der über die Sprache und der Ausführung von Methoden hinaus geht. Das unvoreingenommene Selbst sucht Erkenntnis und Auflösung von Verblendung und Illusion über sich selbst, andere, die Welt und die Zusammenhänge.
Wer einen spirituellen Weg gehen will, muss strebsam sein. Spiritualität ist die persönliche ungetrübt klare Erfahrung des Wunders des Lebens und der Ewigkeit durch das Eindringen in die persönliche Tiefe und damit in die Tiefe des Daseins. Spiritualität ist nicht gleichzusetzen mit Intensität. So sehr wir intensive Erfahrungen schätzen, so sehr sind wir auch gewahr, wie sie eine tiefer liegende Angst und ein früheres Trauma überpowern können.
Die gesamte Meditationspraxis zielt auf das unvoreingenommene Selbst, das auch in der Lage ist, in eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem eigenen Ego und der persönlichen Egozentrik einzusteigen. Hierzu ein Zitat von S.H. Dalai Lama. "Liebe und Mitgefühl sind nicht die Gegenmittel zu Verblendung. Sie sind keine direkten Erkenntniszustände. Die Grundlage der Unwissenheit über die Verblendung ist in der fehlgeleiteten Intelligenz zu finden. Das Gegenmittel dafür ist ein intelligenter Geisteszustand, der korrekt erkennt." Die Suche nach dem unvoreingenommenen Selbst setzt die Entscheidung voraus, uns mit der Funktionsweise und Macht seines allgegenwärtigen Gegenspielers auseinander zu setzen. Dazu schreibt Sogyal Rimpoche: "Das Ego versteht es ganz wunderbar, unsere grundlegende Angst vor dem Unbekannten und davor, die Kontrolle zu verlieren, gegen uns auszuspielen. Wir sagen uns vielleicht: "Es wäre wirklich besser, das Ego aufzugeben, es verursacht mir so viel Leid; aber was wird dann aus mir?" Das Ego wird Ihnen zuflüstern: "Ich weiß, dass ich manchmal eine Nervensäge sein kann, und glaub mir, ich kann gut verstehen, dass Du mich loswerden willst. Aber ist das auch wirklich das, was Du willst? Denk mal nach: Was wird denn aus dir, wenn ich verschwinde? Wer wird sich um dich kümmern? Wer wird sich um dich sorgen und dich so beschützen wie ich all die Jahre?". Selbst wenn wir die Lügen des Egos durchschauen, haben wir immer noch zuviel Angst, es tatsächlich aufzugeben, denn ohne ein echtes Wissen um die Natur unseres Geistes, unsere wahre Identität, sehen wir einfach keine andere Alternative. Wieder und wieder geben wir den Forderungen des Ego nach - mit demselben traurigen Selbstekel, mit dem ein Alkoholiker nach der Flasche greift, von der er weiß, dass sie ihn zerstört, dass sie ihm nach einem kurzen Hochgefühl nur noch tieferes Elend und größere Verzweiflung beschert."...(Und)...Wie sieht die Natur des Geistes aus? Stellen Sie sich den Himmel vor: Leer, weit und rein von Anbeginn - so ist ihre Essenz. Stellen sie sich die Sonne vor: Strahlend, klar, ungehindert und unmittelbar präsent - so ist ihre Natur. Stellen Sie sich vor, wie die Sonne ohne Unterschied und alle Dinge strahlend bescheint - so ist ihre Energie: Die Manifestation von Mitgefühl, nichts kann sie aufhalten, sie durchdringt alles". (Aus: Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben).
Das unvoreingenommene Selbst ist gleichzeitig Weg und Ziel spiritueller Praxis.
Die zweite Lehrer-Kraft Die Spirits Die Spirits sind die Begleiter in der geistigen Welt. Diese Dimensionen der Wirklichkeit werden in unserer Kultur nicht genutzt und gewürdigt, was vielleicht die größte aktuelle spirituelle Tragödie ist. Spirits zeigen uns Aspekte und Kräfte, die uns normalerweise verborgen sind. Dieses Wissen ist kein Allwissen sondern muss genauso reflektiert und angemessen in unsere Zeit, in unser Leben eingearbeitet werden, wie andere Erfahrungen auch. In den elementar-Kreisen wird hier stark auf die schamanische Wurzel zurückgegriffen. Die Welt ist beseelt und der Kontakt zu diesen Seelenkräften ist möglich ohne dabei in kindliche Phantasien oder Scharlatanerie abgleiten zu müssen. Alle Teilnehmer werden in die schamanische Praxis eingeführt. Die schamanische Praxis ist die bedeutendste Geistesschulung auf unserem Übungsweg (siehe Abschnitt Geistestraining/Schamanismus). Wer ehrlichen Herzens und klaren Willens ist, dem können sich die spirits zeigen.
Die dritte Lehrer-Kraft Der Kreis Elementar-Kreis ist für mich vor allem ein gemeinsamer Bewusstseinszustand, der sich einstellt, wenn wir trommeln, beten, tanzen, sprechen. Einfach, wenn wir im Kreis sitzen, konzentriert, geistesgegenwärtig, mit offenem Herzen und klarem Verstand. Wir nennen das oft "one drum - one heart - one mind". Ein elementar-Kreis ist nicht eine gebogene Linie, die an einer Stelle zusammengeknotet wird oder die kreisrunde Anordnung von Individuen. Ein elementar-Kreis hat seine eigene, atmosphärische Intelligenz. Er ist wie ein eigenes Wesen, das auf alle Teilnehmer wirkt und das durch alle Teilnehmer entsteht. In der Schwitzhütte, beim Visionstanz, im talking-circle, beim Trommeln, beim Sitzen. Wann immer wir in Geistesgegenwart präsent sind, lernen wir spirituelles Wissen aus der spirituellen Dimension.
Lernen im Kreis erfordert die Bereitschaft, Wissen zu teilen und anderen ihren Platz zu lassen.
Auch wenn es um das Konkrete und Greifbare geht, ist der Kreis wirkungsvoll und effektiv. Wenn z.B. 20 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren zusammensitzen, sind das 600 Jahre Lebenserfahrung. Diese Erfahrung zu übergehen wäre unklug und würde den Einzelnen in seiner Kraft nicht würdigen.
Die vierte Lehrer-Kraft Die personale Lehrer-Kraft Als Begründer und Leiter der elementar-Kreise war das lange Zeit alleine Hugo-Bert Eichmüller. Früher stand dann hier weiter: „Das muss nicht für alle Zeit so bleiben, da sich über die Jahre mehrere Menschen aus unseren Kreisen eine wirksame und tragfähige, spirituelle Kompetenz erarbeitet haben. Es ist absehbar, dass sie auch als persönliche Lehrer-Kräfte zur Verfügung stehen werden.“ Das ist eingetroffen. Mit Tobias Klein, Peter Mießl und Stephan Horn gibt es drei weitere persönliche Lehrer-Kräfte.
Unser Kreis setzt sich zusammen aus Menschen die Hilfe brauchen, solchen die Hilfe geben können und demjenigen der das Vertrauen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat, dass sein Wissen, seine Grundeinstellung, seine Talente und seine Zuverlässigkeit einen spirituellen Wachstumsprozess auf dem Weg der Erde ermöglichen. Lehrer ist man, solange man eine Kräfte, Wissen oder Fähigkeiten hat, die der Schüler nicht hat und erwerben möchte. Hat der Schüler sie erworben, hört der Lehrer auf, Lehrer zu sein und der Schüler, Schüler zu sein. War der Lehrinhalt gut, ist der Lernende etwas weiter gekommen. Er kann mit dem Wissen und der Erfahrung tun und lassen was ihm sein Gewissen rät. Er kann unsere elementar-Kreise stärken oder eigene Wege gehen.
Lehrer-Kraft der elementar-Kreise zu sein, findet im Kreis statt und erfordert den Aufbau persönlicher, ehrlicher, herzlicher Beziehungen.
Der Einsatz der Lehrerkräfte wird von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen auch als meine Arbeit anerkannt und je nach persönlichen Möglichkeiten bezahlt.
Die Lehrkräfte haben keine Rechte gegenüber anderen. Wohl fordern sie aber vom Schüler, dass ersich Mühe gibt, in Eigenverantwortung und engagiert zu lernen. Ist das nicht der Fall, spürt dies der Lehrer und wird sich schließlich dazu entscheiden, seine Aufmerksamkeit anderen, echt lernwilligen Menschen zu zuwenden. Die Lehrerkraft dient dem Kreis und nicht sich selbst. Es versteht sich von selbst, dass sie bemüht ist, Inhalte und Werte der elementar-Kreise zu leben und sich auch als fühlender und fehlbarer Mensch zu zeigen. Weil sie fehlbar ist, braucht sie auch die anderen drei Lehrer. Sie braucht sein und dein unvoreingenommenes Selbst, seine und deine Erfahrungen mit den Spirits und unser aller Kraft im Kreis. Nur so wirkt dieser spirituelle Pfad der Erde und des Kreises.
Gebet, Meditation, Geistestraining, Beziehungspflege mit Wesenheiten mit und ohne physische Erscheinung und eine aufrichtige, ausdauernde Suche stärken und erweitern diese Lehrerkräfte.
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