MeditationWas entwickelt sich, wenn der Verstand still steht, das diskursive Denken nicht greifen darf und die Aktionen des Ichs keine Beachtung finden? Dieser Weg des Ruhens in der Leerheit, ist der Raum der gegenstandlosen und ich-freien Wirklichkeit hinter der oft subjektiven Dimension des Schamanismus. Meditation zielt auf letzte Wirklichkeiten, während Schamanismus sich auf die erweiterte Wirklichkeit ausrichtet.
Unsere Meditation ist der Einsicht und dem Mitgefühl gewidmet.
Es lässt sich auf mancherlei Weise erklären, was Meditation ist, „Meditation“ kommt von „meditari“, bedeutet also ein Zur-Mitte-hingegangen-Werden, nicht ein aktives Zur-Mitte-hin-Gehen. Diese „Mitte“ ist aber nicht etwas, worauf sich – wie auf einen Gegenstand – der Mensch konzentriert, sondern etwas, das den Menschen konzentriert, indem es ihn von innen her und nach innen hin versammelt. Diese Mitte ist letztlich das eigene Wesen, der transzendente Kern des Meditierenden selbst.
Die charakteristische Grundübung ist das ‘Zazen’, das Sitzen in Stille. Für den Vollzug der Meditation sind drei Aspekte zu beachten:
1. die äußere Haltung
2. die Atmung
3. die innere Haltung
1. Die äußere Haltung ist im traditionellen Zazen der volle Lotussitz aber Sitzen im halben Lotussitz, auf einem Bänkchen oder auf einem Stuhl ist in gleicher Weise möglich. Das Wichtigste bei der Meditationshaltung ist, den Rücken gerade zu halten wie einen Pfeil oder einen Stapel Goldmünzen. Die innere Energie oder prana (auch „Chi“ oder „Ki“) kann dann leicht durch die feinstofflichen Kanäle des Körpers fließen, und der Geist wird seinen wahren Ruhezustand finden. Aber erzwinge nichts. Der Rücken sollte entspannt und gleichzeitig aufrecht sein. Lass den Kopf zentriert und bequem auf dem Nacken ruhen. Deine Schultern und der Oberkörper bestimmen Kraft und Anmut der Haltung – sie sollen im Gleichgewicht bleiben, ohne jegliche Spannung. Die aufgerichtete Wirbelsäule entspricht der inneren Aufrichtigkeit. Das Gesicht ist entspannt und der Mund geschlossen. Die Atmung geschieht durch die Nase. Die Zunge liegt gelöst in der Mundhöhle an den oberen Zähnen an. Die Augen sind nicht ganz geschlossen. Dadurch fällt Licht in die Augen und man bleibt im Kontakt mit seiner Umwelt, ohne dass das Bewusstsein durch einen fixierenden Blick gebunden wird.
Die muskuläre Körperspannung soll weder angespannt noch entspannt im Sinne einer Erschlaffung sein. Es sollte sich ein ausbalancierter Spannungszustand einstellen, der am besten mit dem westlichen Begriff Eutonie (Wohlspannung) zu bezeichnen ist.
2. Der Atem spielt in allen spirituellen Traditionen und Religionen eine herausragende Rolle. Er wird als Träger und Ausdruck des Geistes verstanden. Beim Zazen wird eine natürlich vertiefte Bauch- oder Zwerchfellatmung angestrebt. Es werden keine Atemübungen durchgeführt, um den Atem zu manipulieren, wie z.B. im Yoga.
„Der verbreitetste Fehler des Atmens ist der, dass der Mensch nicht aus seiner Mitte atmet, sondern zu weit oben, so dass die unbewusste Tätigkeit des Zwerchfells durch eine Tätigkeit der Brustmuskulatur ersetzt ist. Dann ist an die Stelle des natürlichen Wesenatmens der widernatürliche Ichatem getreten, durch den der Mensch bewusst oder unbewusst macht, was, wenn es wesensgemäß ist, von selber geschieht.“ Karlfried Graf Dürckheim
„Wenn wir einatmen, kommt die Luft in die innere Welt. Wenn wir ausatmen, geht die Luft hinaus zur äußeren Welt. Die innere Welt ist ohne Grenzen, und auch die äußere Welt ist ohne Grenzen. Wir sagen die ‘innere Welt’ oder ‘äußere Welt’, doch in Wirklichkeit gibt es einfach nur eine Welt. In dieser grenzenlosen Welt ist unsere Kehle wie eine schwingende Türe. Die Luft geht hinein und hinaus, wie jemand, der durch eine Pendeltüre geht.“ S. Suzuki
3. Die innere Haltung beim Sitzen in Stille kann als ein ungebundenes, hellwaches Gewahrsein beschrieben werden, das sich auf kein Objekt, keinen Gegenstand, welcher Art auch immer, fixiert, seien es Gedanken, Bilder, Vorstellungen, Gefühle usw. Deshalb ist Zen-Meditation als ungegenständlich, gegenstandsfrei, objektfrei zu bezeichnen. Es geht darum, immer wieder bewusst und hellwach ins Hier und Jetzt zurückzukehren, ganz in der Gegenwart zentriert zu sein, und seine volle Achtsamkeit auf alles zu richten, was innerhalb und außerhalb geschieht.
Meditation ist die Übung in Stille, das Aufspüren dessen, was ist, was geschieht im Moment, wenn ich leer bin von Gedanken, Vorstellungen und Konzepten über mich und die Welt. Die Unbewusstheit der Unbewusstheit löst sich nach und nach auf.
Dieser stille, unscheinbare und doch so tiefe Weg führt uns in die Bewusstseinswelt jenseits des Gemachten, jenseits des Unterlassenen. Wir ersitzen uns in brennender Geduld das Gespür, um ein gemachtes „So-als-ob-Sein“ von beseeltem „Mit-eigenem-Wesen-begnadet-Sein“ zu unterscheiden.
Dieser Weg hilft uns, tief in unserem Inneren aufzuspüren, was und wer wir sind, bevor wir uns benannt, erklärt und etikettiert hatten. In der Meditation üben wir, in die völlige Gegenwart einzudringen, in der sich Raum und Zeit auflösen.
Im Gewahrsein des ewigen Hier und Jetzt fällt alles Gemachte ab und die eigene Wesensschau, das spirituelle Erwachen, die Befreiung der Identität, die vollständige Anwesenheit finden statt.
Der Weg dahin ist Achtsamkeit, und der Alltag ist die große Übung, in der sich die Tiefe der Erfahrungen beweisen wird.
Geistige Aktivität ist die Quelle der Erkenntnis: dazu eine bekannte Zen-Geschichte, die das Missverständnis zum Ausdruck bringt, das meint, passives Sitzen wäre Meditation:
„Ein Meister sah einen Schüler, der sehr eifrig in der Meditation war. Der Meister sagte: ‘Trefflicher, in welcher Absicht sitzt du da in Meditation?’ Er antwortete: ‘Ich will ein Buddha werden.’ Da nahm der Meister einen Ziegel und begann, ihn vor der Klause auf einem Stein zu reiben. Der Schüler fragte: ‘Was tut der Meister da?’ Der Meister sprach: ‘Durch das Reiben mache ich diesen Ziegel zu einem Spiegel.’ Der Schüler : ‘Wie kann durch das Reiben der Ziegel zu einem Spiegel werden?’ Der Meister sprach: ‘Wie kann einer durch Hocken in der Meditation ein Buddha werden?“ Zit. n. Merton
Die stille Meditation erscheint in den elementar-Kreisen als Gegenpol zu den ekstatischen, schamanischen Erfahrungen.
Gilt es in der schamanischen Ekstase, mit Willenskraft und Konzentration die körperlichen Grenzen zu überschreiten, leert sich in der Meditation der Geist von dem Verhaftetsein in der eigenen Geschichte. Jedoch treffen sich beide Formen letztlich auf dem Gipfel des Einsseins mit Gott.
Stille Meditation ist die einfachste und bewährteste Übung für den Alltag.
Mit der stillen Meditation beginnen wir jeden Tag der elementar-Kreise.
Wer sich auf diesem Weg vertiefen will, dem empfehle ich die Teilnahme an unserem „Meditation und Geistestraining“ auf der Vulkaninsel Stromboli.
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